Security Governance durch Milizen

           

 

gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

Laufzeit: 10/2012 - 06/2017

 

Das Projekt-Team

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Prof. Dr. Ulrich Schneckener

Sandra Wienand, M.A.

Christoph König, Dipl.

Das Forschungsprojekt geht der Frage nach, welche Beiträge Milizen zur Schaffung von Sicherheit (oder Unsicherheit) in von Gewaltkonflikten geprägten Gesellschaften leisten. Unter Milizen versteht das Projekt paramilitärisch organisierte Verbände, die je nach Kontext im konkreten „Auftrag“ oder unter Billigung dominierender Eliten, Vertretern des Staates bzw. bestimmter gesellschaftlicher Gruppierungen agieren, um die Interessen dieser Auftraggeber zu schützen und gegebenenfalls aktiv zu verteidigen. In der Regel zeichnet sich dieser Typus eines nichtstaatlichen Gewaltakteurs durch seine Orientierung am Status quo aus. Paradigmatische Fälle dafür sind die seit Jahrzehnten aktiven paramilitärischen Gruppierungen in Kolumbien - häufig im Auftrag des Staates oder wirtschaftlicher Eliten - sowie die vielen Kampfverbände im Libanon, welche im Namen diverser (Glaubens-) Gemeinschaften und politischer Bewegungen agieren. 

Ausgehend von der Art des Auftrags untersucht das Projekt im ersten Analyseschritt, welche konkreten Aufgaben Milizen im Namen eines bestimmten Personenkreises übernehmen (Governance-Leistungen) und welche Mittel sie dazu verwenden. Auf dieser Grundlage geht das Projekt im zweiten Analyseschritt der Frage nach, wie sich die Bereitstellung von Sicherheit durch Milizen für die jeweilige Klientel auf die effektive und legitime Herstellung öffentlicher Sicherheit auswirkt. In beiden Schritten wird zudem analysiert, wie stark die Kontrolle der jeweiligen Auftraggeber über die Milizionäre ist und wie sich beobachtbare Kontrollverluste auswirken.

 

 

Projektveröffentlichungen:

 

König, Christoph (2015): Rebellen, Milizen, Armee? Zur Typisierung der Peschmerga, in: Sicherheit und Frieden (S+F), 33, 4, S. 180-186.

Schlichte, Klaus/Schneckener Ulrich (2015): Armed Groups and the Politics of Legitimacy, in: Civil Wars, 17, 4, S. 409-424.

Schneckener, Ulrich (2015): Status-quo orientierte Gewalt? Zur Charakterisierung von Milizen, in: Sicherheit und Frieden (S+F), 33, 4, S. 173-179.

Schneckener, Ulrich (2014): Das Dilemma der Milizen. Ukrainische Freiwilligenverbände und das Gewaltmonopol. In: Osteuropa, 64, 9-10, S. 135-146.

Wienand, Sandra/Tremaria, Stiven (2017): Paramilitarism in a Post-Demobilization Context? Insights from the Department of Antioquia in Colombia. ERLACS, (103), 25–50., online verfügbar unter: http://www.erlacs.org/articles/abstract/10161/

Wienand, Sandra (2015): Legacies of Militias in Post-Demobilization Contexts: Tracing 'Militia Stakeholders' in Guatemala and Colombia, in Sicherheit und Frieden (S+F), 33, 4, S. 200-205.